Übersicht Linux Media Player
Willkommen zum fünften Teil der Übersicht über Mediaspieler für Linux! Wir werden wieder einige beachtenswerte Mediaspieler durchleuchten. Zuerst muß ich allerdings gestehen, daß ich den ersten Teil dieser Zusammenfassung etwas überarbeitet habe. Als ich vor kurzem noch einmal zurückblickte wurde mir bewußt, daß ich BMPx beim ersten Mal nicht wirklich eine Chance gegeben habe, und darum habe ich die Bewertung dieses Spielers nun sehr viel genauer aktualisiert.
Für diejenigen unter euch die darauf warten, daß ich die vorher übersehenen Spieler (alphabetisch gesprochen) abhandele: Ich bemühe mich alle zum Testen zu bekommen, und sollte spätestens bis zum 19. Dezember, wenn Teil acht erscheint, damit fertig sein. Was nett ist, können wir doch diese Zusammenfassung noch vor Weihnachten abschließen. :) So, weiter im Text mit unserer Zusammenfassung der Mediaspieler.
Noatun

Noatun ist ein Musikspieler für KDE, der offensichtlich als kleiner Bruder von Juk, Amarok und Kaffeine gedacht war, da er eigentlich nicht viel mehr als Juk oder Kaffeine zu leisten imstande ist, ja eigentlich in vielen Belangen sogar unterlegen ist. Es ist soviel Überflüssiges im Vergleich was die anderen beiden leisten können, daß, wenn man beide miteinander vermischen könnte und danach die Hälfte weglassen würde, man mit Noatun dastehen würde. Ich habe beim besten Willen nichts finden können das Noatun von den anderen Mediaspielern abheben würde, geschweige denn etwas, das ihn von seinen großen Brüdern unterschieden hätte.
Einen Vorteil soll es aber doch geben, nämlich eine sehr breit gefächerte Unterstützung verschiedener Medienformate. Haben Sie in ihrem System ein Codec oder eine Erweiterung (Plugin) für ein bestimmtes Format installiert (nicht in Noatun), dann soll Noatun dieses Format auch abspielen können, inklusive Videos.
Bewerkstelligt wird das dadurch, daß die verschiedenen Medienformate durch externe Erweiterungen und Codecs wie bei Windows gehandhabt werden, während unter Linux die meisten Spieler interne Codecs verwenden. Obwohl das für eine sehr große Flexibilität im Programm sorgt, so kann es doch manchmal auch Ursache schwerer Kopfschmerzen sein. Wav, ogg und mp3 werden natürlich unterstützt, der Rest ist mehr oder weniger schleierhaft. Als einen weiteren Vorteil könnte man den sehr geringen Ressourcenbedarf bezeichnen, das durch die minimalistische Schnittstelle hervorgerufen wird. Allerdings ist das für Leute die mit mehreren Abspiellisten arbeiten wollen wiederum nicht so günstig, da immer nur eine Abspielliste abgearbeitet werden kann.
Noatun kann alle Skins von Winamp und XMMS nutzen, und unterstützt Visualisierungen durch ein Erweiterungs-System. Verfügen Sie über einen iPod und erwarten Kompatibilität von Noatun, dann haben Sie sich leider getäuscht. Noatun verfügt über keinerlei Unterstützung für externe Spieler. Und sollte Ihre Musiksammlung sehr umfangreich sein, dann sollten Sie auch besser auf einen anderen Spieler ausweichen, denn bei meinen 2500+ Musikstücken gab Noatun den Geist auf.
Falls Sie Noatun ausprobieren möchten, es ist für KDE geschrieben und ist standardmäßig mit an Bord, kann aber auch mit dem KDE Multimediapaket nachgeladen werden. Eine kleine Warnung ist hier aber angebracht: zur Zeit arbeitet Noatun nur mit dem Linux aRTs Soundsystem. Benutzen Sie also etwas anderes, z.B. Alsa, dann zeigt Noatun nach dem Laden nur einen Fehler an.
Ogle DVD Player

Der einzige Sinn und Zweck des Ogle DVD Spielers ist es DVDs abzuspielen, und sonst nichts. Es ist auch der allererste Linux Mediaspieler der DVD-Menüs komplett unterstützt, wie man auch an obiger Abbildung sehen kann. Es kann unter Umständen ein bißchen hakelig werden diesen Spieler auf manchen Systemen zu installieren, also seien Sie vorgewarnt. Dafür ist die Bedienung sehr einfach und leicht verständlich, irgendwelche Konfigurationen durch den Benutzer müssen nicht durchgeführt werden. Legen Sie einfach die DVD ein, öffnen Sie Ogle, und los geht’s. Der Spieler kann nicht alle DVDs abspielen, aber die Qualität der abgespielten DVDs ist gut. Es existiert auch die Möglichkeit DVD vob-Dateien von der Festplatte zu lesen, aber zur Zeit ist diese Fähigkeit leider nicht verfügbar.
Das DVD Menüsystem funktioniert ausgesprochen gut auf diesem Spieler, d.h. alle Menüpunkte, alle Extras und sogar einige der eher obskuren Zusatzfunktionen auf der DVD werden zugänglich gemacht. Außer den auf dem Bildschirm sichtbaren Kontrollen gibt es allerdings keine weiteren Einstellmöglichkeiten. Die aktuelle Programmversion 0.9.2 hat sich seit der Einführung im November 2003 nicht verändert, allerdings hat libdvdread, der Kern dieses Programms, der die DVDs liest und dekodiert, einige Aktualisierungen erfahren. Ich konnte das Programm nicht dazu bewegen in den Vollbildschirm-Modus zu wechseln, aber abgesehen davon tat es genau das, wozu es auch entwickelt wurde. Für mehr Informationen über diesen Spieler besuchen Sie bitte die Ogle DVD Homepage.
Quod Libet

Quod Libet, lateinisch für "Wie es beliebt" ist ein für Gnome entwickelter und in Python geschriebener Audiospieler der auf GTK+ basiert, und dessen primäre Aufgabe es ist, dem Benutzer auf einfache Art und Weise das Organisieren seiner Musiksammlung nach Belieben zu ermöglichen..
Als ich das Programm zum ersten Mal startete fand ich es eher etwas hausbacken. Wie eine gestutzte Version von Noatun. Auch empfand ich es nicht unbedingt als intuitiv, obwohl es den Anschein erwecken sollte. Stöbert man allerdings durch alle Programmbibliotheken, ist es sehr interessant herauszufinden auf wieviele Möglichkeiten des Ordnens und der Steuerung man doch zurückgreifen kann.
Als Mediaspieler ist es allerdings nicht wirklich etwas Besonderes. Nur die Bibliotheken machen es zu etwas ganz Speziellem, und glauben Sie mir wenn ich sage, daß die Sachen die Sie mit diesen Bibliotheken anstellen können wirklich etwas Besonderes sind. Der einzige Minuspunkt der mir auffiel war, daß es nicht möglich ist die Bibliothek neu aufzubauen oder neue Stücke zu importieren. Seltsamerweise wurde die Bibliothek bei Quod aber aktualisiert, als ich zwischenzeitlich bei einem anderen Spieler die Bibliothek aktualisierte. Ich habe also keine Ahnung wo Quod seine Bibliothek herzaubert, aber es könnte sein, daß es etwas aus dem Betriebssystem selber bezieht. Das würde auch eine Erklärung dafür darstellen, wie diese unglaublich komplexen Aufgaben der Musikdatenverwaltung ermöglicht werden können.
Das man keine Musikstücke direkt in Quod importieren kann ohne sie vorher in eine Systembibliothek abgelegt zu haben (wenn es wirklich das ist was passiert), macht jeden kleinen Vorteil dieses Spielers wieder zunichte. Abgesehen von den Verwaltungsfähigkeiten ist dieser Spieler nichts Außergewöhnliches, so daß ich Quod eigentlich weniger als Spieler denn als Musikverwaltung bezeichnen möchte. Es existiert eine Möglichkeit Erweiterungen zu implementieren um Sachen zu ändern oder zu verbessern, allerdings konnte ich keine Erweiterungen finden, so daß meiner Meinung nach alles wieder in Frage gestellt wird.
RealPlayer

Ich bin sicher, jede Menge Linuxbenutzer sind jetzt überrascht und entsetzt den RealPlayer hier zu sehen, aber Real Networks bietet schon seit geraumer Zeit einen Multimediaspieler für Linux an. Die Software ist zwar immer noch proprietär, so daß eingefleischte Linux-Fexe sie ablehnen werden, allerdings hat sie eine „wiedergutmachende“ Fähigkeit, wenn man es denn so nennen möchte: Sie erlaubt nämlich das effektive Abspielen von Real Audiostreams oder -Dateien auf Ihrer Linux-Maschine. Eingeschränkt werden auch mp3- und wav-Dateien unterstützt, allerdings gibt es keine Abspiellisten. Real Videos können genauso abgespielt werden wie flash, AAC, AU, MP4, OGG und einige andere seltene Formate, denen man nicht häufiger als einmal im Leben begegnet. Allerdings bedeutet hier das „abspielen können“ nicht unbedingt dasselbe wie „tatsächlich abspielen“. Ich habe mir die Mühe gemacht und wirklich alle Formate ausprobiert die ich finden konnte, aber außer ogg, mp3 und RM/RAM-Dateien wird anscheinend nichts wiedergegeben. Das ganze Gezeter um unterstütze Dateien war also reine Augenwischerei.
Während des Testens machte es sich kurzzeitig bezahlt. Beim Testen von gestreamten Real Media-Dateien wurden diese im Browser durch die beim Einrichten installierte Erweiterung anstandslos geladen und abgespielt, so daß man sich nicht um andere Spieler kümmern mußte die das bewerkstelligen konnten. Ist der RealPlayer ein guter Mediaspieler für den täglichen Bedarf? Nicht die Bohne.
Aber ist es ein guter Spieler für die wenigen Male, wenn man nur die Wahl hat zwischen dem Benutzen dieses Spielers oder gar nichts? Ich würde „Ja“ sagen. So seltsam sich das auch anhört, aber manchmal ist ein proprietärer Spieler einfach besser als das Öffnen einer Nischendatei unter einem offenem Linux-Spieler. Gottseidank aber nicht sehr häufig. Das hier ist einfach die Ausnahme.
Angeblich soll der realPlayer zu sehr viel mehr Dingen imstande sein, so zum Beispiel soll er unter anderem CDs rippen können, über eine Medienbibliothek und einen Musikladen verfügen, allerdings waren diese Fähigkeiten, ungleich dem Windows-Gegenstück, einfach nicht vorhanden. Ich habe nur den einfachen Spieler vorgefunden, sonst nichts. Da Sie aber den RealPlayer sowieso nur zum gelegentlichen Abspielen von seltenen Real Media-Streams benutzen, ist das keine große Geschichte.
Den realPlayer bekommen Sie durch Ihr bevorzugtes Repositorium.
Zusammenfassung
Das war's mit dem fünften Teil. Im sechsten Teil behandeln wir Rhythmbox, einen Spieler über den ich schon seit Beginn dieser Serie sehr viel gehört habe (und der auch sehr oft von Lesern hier verlangt wird), und der deshalb auch mein Interesse gefunden hat. Auch einige andere Spieler die lautstark gefordert wurden werden behandelt. Bleiben Sie am Ball!